Invertebraten im Trinkwasser

Einstieg in die Problematik

Invertebraten sind kleine wirbellose Tiere, die verschiedenen Gruppen zuzuordnen sind, wie z. B. Würmern, Rädertierchen oder Krebstieren. Größere Vertreter der Invertebraten sind die Wasserasseln, Krebse, die bis zu 15 mm groß werden. Organische, partikuläre Ablagerungen können zur Besiedelung von Trinkwasser­netzen durch wirbellose Tiere (Invertebraten) führen. Seit Ende der 90er Jahre werden z. B. verstärkt Wasserasseln in Anlagen der Trinkwasser­verteilung festgestellt. Neben dem ästhetischen Aspekt kommt den wirbellosen Tieren im Trink-wasser eine hygienische Bedeutung zu: Abgestorbene Tiere und deren Ausscheidungen sind biologisch abbaubar, werden im Leitungsnetz verfrachtet, akkumulieren in schwach genutzten Leitungs­abschnitten und können zur Wiederverkeimung führen.

Neben Asellus aquaticus treten weitere Invertebraten im Rohrnetz auf. Bisherige Untersuchungs­ergebnisse zeigen, dass die Besiedlungs­dichten von Trinkwasser­netzen durch Invertebraten sehr hoch sein können und dass hier ein bedeuten-des Potential für die Verbesserung der Trinkwasserqualität und der Ver-sorgungssicherheit liegt.

Invertebraten können über die Rohwasserentnahme und -aufbereitung in das Leitungsnetz einwandern. In vorangegangenen Untersuchungen wurde fest-gestellt, dass nur ein geringer Teil dieser Organismen passiv transportiert wird und abstirbt, während eine aktive Besiedlung von Bereichen des Netzes charakteristisch ist. Das Rohrleitungssystem ist dann zum Ersatzlebensraum geworden. Die hier vorgefundenen Tiere ernähren sich vor allem von partikulärem, organischem Material, also auch von Mikroben in Mulm (Ablagerungen in Rohr-leitungssystemen) und Biofilmen.

Auf Grund der Kenntnis des natürlichen Lebensraumes der in den Trinkwasser-Verteilungssystemen vorkommenden Tiere ist bekannt, dass es sich im Falle der Invertebraten des Trinkwassers um benthische Organismen, d. h. um Tiere handelt, die am Boden und an den Wänden des Rohrleitungssystems leben. Tiere mit planktischer Lebensweise (Tiere des Freiwassers) kommen nur sporadisch vor und können auf Grund fehlender Nahrungsbestandteile nicht überleben.

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Häufig gestellte Fragen

1. Wie gelangen Wasserasseln ins Trinkwasser?

Wasserasseln gelangen meist über das aufzubereitende Rohwasser in die Wasseraufbereitung und von dort in die Leitungssysteme, insbesondere wenn Oberflächenwasser oder Uferfiltrat aufbereitet werden. Weitere Ursachen können Leckagen oder Fremdeinspeisungen sein. Das Problem besteht jedoch nicht im Eintrag einzelner Tiere sondern im Vorhandensein von Nahrung, die ein Überleben ermöglicht. Asseln können sich im Rohrnetz vermehren, eine Assel erbrütet bis zu 50 Eier.


2. Wie können Wasserasseln im Trinkwasser überleben?

Wasserasseln sind „Überlebenskünstler“
Im Becherglasversuch haben die Tiere wochenlang ohne zusätzliche Nahrung überlebt. Im Rohrleitungssystem ernähren sich Wasserasseln von organi-schen, partikulären Ablagerungen, die entweder mit dem Reinwasser ein-getragen werden oder in Folge von Korrosion entstehen (Korrosions­produkte) und von Biofilmen. Die im Trinkwasser verwendeten Desinfektionsmittel beeinträchtigen die Wasserasseln nicht.


3. Sind Wasserasseln gesundheitlich bedenklich?

Wasserasseln und andere Invertebraten sind keine Auslöser von Krankheiten und sind auch nicht Überträger von gefährlichen Bakterien. Mit steigenden Individuendichten erhöht sich jedoch die Gefahr einer (Wieder)Verkeimung des Trinkwassernetzes, zum einen durch deren Ausscheidungen (Kotpellets) und zum anderen durch abgestorbene Tiere bzw. deren Bruchstücke.

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Die größten Irrtümer

  • Wer sein Trinkwasser regelmäßig entsprechend den gesetzlichen Vorschriften kontrolliert, kann einen „Befall“ von Wasserasseln rechtzeitig erkennen.

Wasserasseln können weitgehend unbemerkt vom Wasserversorger hohe Dichten in der Trinkwasserversorgung erreichen, bis zu mehrere 1000 Tiere je km Rohrleitung sind keine Seltenheit. Mit den gesetzlich vorgeschriebenen mikrobiologischen und chemischen Analysen kann nicht festgestellt werden, ob und in welchem Ausmaß Wasserasseln das Rohrleitungssystem besiedeln. Dafür sind spezielle biologische Untersuchungen direkt im Leitungsnetz erforderlich.


  • Bei der Aufbereitung von Grundwasser gibt es kein „Asselproblem“.

Bisherige Erfahrungen zeigen, dass Trinkwasserverteilungssysteme unabhängig von der Art des Rohwassers von Wasserasseln besiedelt werden können.


  • Wasserasseln treten nur vereinzelt im Trinkwasser auf.

Die Besiedlungsdichten werden durch die Lebensbedingungen im Rohrnetz als Ersatzlebensraum bestimmt. Dichten von 1.000 bis 10.000 Tieren pro km Rohrnetz sind bei Asselbefall regelmäßig festzustellen.


  • Es werden vor allem Endstränge und Stagnationszonen besiedelt.

Höchste Besiedelungsdichten wurden vor allem in Haupt- und Versorgungsleitungen registriert; Endstränge, Stichleitungen etc. wurden trotz oftmals vorhandenen erheblichen Ablagerungen in geringeren Dichten besiedelt.


  • PE-Leitungen werden nicht oder weniger stark von Wasserasseln besiedelt.

Wasserasseln besiedeln nicht nur alte Leitungen aus Stahl und Asbestzement sondern auch (neue) PE-Leitungen. Die festgestellten maximalen Besiedelungsdichten hatten im Falle aller Materialien ähnliche Größenordnungen.


  • Wasserasseln haben zwei Vermehrungszyklen pro Jahr.

Wasserasseln stellen in der Trinkwasserverteilung die Vermehrung nur ein, wenn die Wassertemperaturen deutlich unter 10°C sinken. Im Falle höherer Wassertemperaturen wurden zu allen Jahreszeiten Weibchen mit Jungtieren beobachtet.


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